Ratgeber für 24 Stunden Betreuung
24 Stunden Betreuung zu Hause: Der Leitfaden für Angehörige
Aufgaben, Tagesablauf, Zimmer, Pausen & Kosten: So gelingt das Zusammenleben mit einer 24- Stunden-Betreuerin.
Wenn alltägliche Aufgaben zunehmend schwerfallen, wünschen sich viele ältere Menschen vor allem eines: weiterhin in den eigenen vier Wänden bleiben zu können. Eine 24-Stunden-Betreuungskraft unterstützt dort, wo Hilfe benötigt wird – individuell abgestimmt auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten der betreuten Person.Pflegering vermittelt erfahrene selbstständige Betreuungskräfte in ganz Österreich und begleitet Familien von der ersten Beratung bis zum Betreuungsbeginn.
Einleitung
Was bedeutet 24-Stunden-Betreuung?
Wenn ein Angehöriger zu Hause bleiben möchte, ist die 24-Stunden-Betreuung für viele Familien in Österreich die passende Lösung. Mit einer Betreuungskraft zieht jedoch ein neuer Mensch in das vertraute Zuhause ein. Das wirft Fragen auf: Was darf die Betreuerin tun? Wie sieht ein normaler Tag aus? Was kostet das und welche Förderung gibt es? Wir von Pflegering vermitteln seit über 8 Jahren selbstständige Personenbetreuer und haben die wichtigsten Antworten für Sie zusammengestellt.
Die 24-Stunden-Betreuung (häufig auch „24-Stunden-Pflege“ genannt) ermöglicht es betreuungsbedürftigen Menschen, in ihrer gewohnten Umgebung zu leben und im Alltag Unterstützung zu erhalten. Die Betreuungskraft wohnt während ihres Einsatzes im Haushalt und ist eine vertraute Ansprechperson.
Wichtig: „24 Stunden“ heißt nicht, dass die Betreuungskraft rund um die Uhr arbeitet oder ständig verfügbar ist. Auch sie braucht Ruhe und regelmäßige Pausen.
In Österreich arbeiten die meisten Betreuungskräfte als selbstständige Personenbetreuer. Grundlage ist ein Betreuungsvertrag nach den geltenden österreichischen Rechtsvorschriften (u. a. Hausbetreuungsgesetz, Gewerbeordnung).
Unser Tipp: Besprechen Sie Wünsche und den individuellen Betreuungsbedarf möglichst früh. Je besser die Betreuungskraft die Gewohnheiten kennt, desto leichter gelingt der Start.
Welche Aufgaben übernimmt die Betreuungskraft?
Die Aufgaben richten sich nach den Bedürfnissen der betreuten Person.
Unterstützung im täglichen Leben
· Hilfe beim Aufstehen, Ankleiden und Zubettgehen
· Unterstützung bei der täglichen Körperpflege
· Zubereitung von Mahlzeiten und Hilfe beim Essen
· Einkaufen, Wäschewaschen und Reinigung der genutzten Wohnräume
· Begleitung bei Spaziergängen, Arztterminen und Erledigungen
· Gesellschaft leisten, Gespräche führen, gemeinsame Aktivitäten
· Unterstützung bei einem geregelten Tagesablauf
· Veränderungen des Gesundheitszustands beobachten und weitergeben
Neben der praktischen Hilfe ist die menschliche Nähe ein wertvoller Teil der Betreuung.
Medizinische und pflegerische Tätigkeiten: Was darf die Betreuerin?
Bestimmte gesundheitsbezogene Tätigkeiten dürfen nur unter gesetzlichen Voraussetzungen durchgeführt werden, etwa Medikamentengabe, Insulininjektionen, Verbandswechsel sowie Blutdruck- und Blutzuckermessungen. Je nach Tätigkeit sind Übertragung (Delegation) durch Arzt/Ärztin oder diplomierte Pflegekraft, Anleitung und Dokumentation erforderlich. Sagen Sie uns Bescheid, wenn medizinische Unterstützung nötig ist. Wir helfen, Zuständigkeiten und Schritte abzuklären.
Was gehört nicht zu den Aufgaben der Betreuungskraft?
· Reinigung des gesamten Familienhauses oder weiterer Wohnungen
· Gartenarbeit und umfangreiche Arbeiten rund ums Haus
· Betreuung weiterer Familienmitglieder oder Kinder
· Versorgung von Haustieren ohne ausdrückliche Vereinbarung
· Mitarbeit in einem Familienbetrieb
· Medizinische Tätigkeiten ohne die erforderliche Berechtigung
· Geldverwaltung ohne Vereinbarung und Vollmacht
Der Tagesablauf als Beispiel
Der Tagesablauf mit 24-Stunden-Betreuung
Ein geregelter Tag gibt Sicherheit und Orientierung. Gleichzeitig braucht es Raum für spontane Aktivitäten und Erholung. Der Plan ist ein Beispiel und wird an den tatsächlichen Bedarf angepasst.
Uhrzeit
Gemeinsamer Alltag
07:00–09:00
Aufstehen, Körperpflege, Frühstück
09:00–12:00
Haushalt, Einkauf, Spaziergang oder Aktivitäten
12:00–13:00
Mittagessen
13:00–14:30
Ruhe- und Erholungspause
18:00–19:30
Abendessen und Abendgestaltung
14:30–18:00
Gesellschaft, Beschäftigung, Besuche oder Arzttermine
19:30–21:00
Freizeit der Betreuungskraft
21:00–22:00
Abendroutine und Zubettgehen
22:00–07:00
Nachtruhe
PERSÖNLICH UND INDIVIDUELL
Pausen, Freizeit und Nachtruhe der Betreuungskraft
Eine zuverlässige Betreuung braucht Erholung. Bei selbstständigen Betreuungskräften werden die Rahmenbedingungen vertraglich vereinbart. Bewährt hat sich:
· Pausenzeiten gemeinsam festlegen und einhalten
· Persönliche Freizeit respektieren, nach Möglichkeit auch längere zusammenhängende Phasen
· Während der Abwesenheit die Sicherheit des Angehörigen sicherstellen
· Änderungen und Sonderwünsche früh besprechen
Kann Ihr Angehöriger nicht allein bleiben, organisieren Sie für diese Zeiten eine alternative Unterstützung (z. B. Familie, mobile Dienste, Nachbarschaftshilfe).
Die Betreuungskraft lebt während des Turnus mehrere Wochen fern der eigenen Familie. Telefonate und Videoanrufe, ein kostenloser WLAN-Zugang sowie Rücksicht auf religiöse oder kulturelle Bedürfnisse sind daher wichtig.
Wann ist Nachtbetreuung nötig?
Gelegentliche Hilfe in der Nacht ist normal. Entscheidend ist, wie oft und in welchem Umfang Unterstützung gebraucht wird. Folgendes spricht für einen erhöhten nächtlichen Bedarf:
· häufiges nächtliches Aufstehen
· starke Unruhe oder Desorientierung
· Demenz mit nächtlicher Aktivität
· regelmäßige Umlagerung
· wiederkehrende Hilferufe oder erhöhter Sicherheitsbedarf
In diesen Fällen sprechen Sie uns frühzeitig an. Gemeinsam besprechen wir zusätzliche Unterstützung und geeignete Hilfsmittel.
Das sollte vorbereitet sein
Das Zimmer der Betreuungskraft
Ein eigenes Zimmer ist der wichtigste Rückzugsort. Checkliste:
· eigenes, möglichst ruhiges Zimmer mit bequemem Bett und Bettwäsche
· Kleiderschrank oder ausreichend Stauraum
· Tisch, Sessel und gute Beleuchtung
· Heizung, Tageslicht und Belüftung
· Zugang zu Bad, WC und Waschmöglichkeit
· ausreichend Privatsphäre
Betrachten Sie das Zimmer als persönlichen Bereich: Klopfen Sie an und respektieren Sie persönliche Gegenstände.
Alltag im Haushalt
Verpflegung, Internet, Hausregeln
Unterkunft und Verpflegung stellt üblicherweise der Haushalt zur Verfügung. Klären Sie gleich zu Beginn:
· regelmäßige Mahlzeiten, Lebensmittel, Getränke; Essgewohnheiten und Unverträglichkeiten
· Nutzung von Küche, Bad und Waschmaschine
· Einkaufsplanung und Haushaltsgeld, Ausgaben mit Kassenrechnung oder Haushaltsbuch dokumentieren
· Hausregeln zu Rauchen und Alkohol, Versorgung von Haustieren
· Autonutzung: Versicherung, Nutzung, Treibstoffkosten
· Datenschutz: Videoüberwachung nur nach rechtlicher Prüfung
· Wertsachen und wichtige Dokumente versperrt, zumindest sicher aufbewahren
TRANSPARENTE KOSTEN & FÖRDERUNGEN
Was kostet 24-Stunden-Betreuung und welche Förderung gibt es?
Die Kosten setzen sich aus dem Honorar (Tagessatz) der Betreuungskraft, den Fahrtkosten und den Vermittlungsleistungen zusammen. Die Höhe hängt von Vereinbarung und Betreuungsbedarf ab. In Österreich gibt es Pflegegeld und unter bestimmten Voraussetzungen eine Förderung der 24-Stunden-Betreuung durch das Sozialministeriumservice. Maßgeblich sind u. a. Pflegegeldstufe, Betreuungsbedarf, Einkommen und die Qualifikation der Betreuungskräfte.
Unser Tipp: Klären Sie Förderansprüche früh. Unsere Kundenbetreuung unterstützt Sie mit Informationen zu Unterlagen und zuständigen Stellen
Sicher bei ungeplanten Ereignissen
Notfälle, Krankheit und Turnuswechsel
Bei Turnusstart bekommen Sie von uns ein Notfallblatt - bitte dieses gut sichtbar aufbewahren:
· Telefonnummern von Angehörigen und Kontaktpersonen
· Kontaktdaten des Hausarztes
· Rettung 144, europäischer Notruf 112
· aktueller Medikamentenplan
· Allergien und wichtige Erkrankungen
· besondere Hinweise zur Betreuung
Nehmen Sie sich am ersten Tag Zeit, Räume, Hilfsmittel und Gewohnheiten zu erklären. Eine sorgfältige Übergabe zwischen den Betreuungskräften sichert die Kontinuität.
Wenn die Betreuungskraft erkrankt: Informieren Sie umgehend Ihre Pflegering Kundenbetreuung. Wir suchen gemeinsam eine Lösung und vermitteln bei Bedarf eine Ersatzkraft.
Turnuswechsel: Der planmäßige Wechsel erfolgt in Abstimmung mit unserer Kundenbetreuung, üblicherweise alle 28 Tage; je nach Situation kürzer oder länger.
Zusammenleben: Umgangsformen und Kommunikation
Tipps für ein gutes Miteinander
· Wünsche, Fragen und Unsicherheiten offen und freundlich ansprechen
· Gewohnheiten, Hausregeln und Erwartungen zu Beginn klären
· bei mehreren Angehörigen eine zentrale Ansprechperson bestimmen
· bei Sprachunterschieden klar und einfach sprechen
· sich regelmäßig kurz über den Alltag austauschen
· Wertschätzung zeigen: ein freundliches Wort oder ein Dankeschön
· wichtige Vereinbarungen schriftlich festhalten
Es ist normal, dass sich manche Abläufe erst einspielen müssen. Geben Sie sich, Ihrem Angehörigen und der Betreuungskraft Zeit.
FAQ's
Häufige Fragen zu Aufgaben und Leistungen
Muss eine 24-Stunden-Betreuerin rund um die Uhr arbeiten?
Nein. Sie wohnt im Haushalt, hat aber vereinbarte Pausen, Freizeit und Nachtruhe. Wenn Ihr Angehöriger in diesen Zeiten nicht allein bleiben kann, braucht es eine alternative Unterstützung.
Was darf eine Betreuungskraft nicht tun?
Zum Beispiel das ganze Haus reinigen, Garten- oder Betriebsarbeit leisten, weitere Personen betreuen oder medizinische Tätigkeiten ohne Berechtigung durchführen.
Darf die Betreuerin Medikamente geben oder Insulin spritzen?
Nur unter gesetzlichen Voraussetzungen: Übertragung, Anleitung und Dokumentation. Hier muss unbedingt eine schrfitliche Delegation erfolgen.
Wie lange bleibt eine Betreuungskraft im Haushalt?
Üblich ist ein Turnus von 28 Tagen, danach wechselt die Betreuungskraft.
Was passiert, wenn die Betreuerin krank wird?
Informieren Sie sofort die Kundenbetreuung. Wir organisieren gemeinsam mit Ihnen eine Lösung und bei Bedarf eine Ersatzkraft.
Welches Zimmer braucht die Betreuungskraft?
Ein eigenes, ruhiges Zimmer mit Bett, Stauraum, Tisch, Heizung, Tageslicht und Zugang zu Bad und WC.
Was kostet die 24-Stunden-Betreuung?
Honorar, Fahrtkosten, ggf. Vermittlung. Beispielrechnung siehe oben. Hier geht es zum Abschnitt.
Gibt es Förderung?
Ja, Pflegegeld sowie unter Voraussetzungen die Förderung des Sozialministeriumservice. Mehr Informationen unter https://pflegering.at/pflegegeld/
Wann brauche ich eine Nachtbetreuung?
Bei häufigem nächtlichem Hilfebedarf, Unruhe oder Demenz mit nächtlicher Aktivität. Sprechen Sie uns früh an.
WIR SIND PERSÖNLICH FÜR SIE DA
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Klaus Tarmastin
KUNDENBERATER & FÖRDERUNGSEXPERTE